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In Gesprächen mit Unternehmen begegnet uns derzeit auffallend häufig dieselbe Frage: Müssen wir Digitale Souveränität erreichen – und wie geht das?
Unabhängig davon, ob es um Infrastruktur, Cloud-Nutzung oder Compliance geht – das Thema taucht fast zwangsläufig auf. Auffällig ist dabei weniger die Frage selbst als das, was danach folgt. Sobald man beginnt, nachzufragen, zu differenzieren und einzuordnen, entstehen kurze Pausen, nachdenkliche Blicke und das Gefühl, dass zwar eine Sorge vorhanden ist, aber noch kein klares Bild davon, worauf sie sich richtet.
Genau an diesem Punkt setzt dieser Beitrag an. Nicht, um Antworten vorzugeben oder Lösungen zu propagieren, sondern um dabei zu helfen, die eigene Einschätzung etwas feiner zu justieren. Digitale Souveränität ist ein vielschichtiger Begriff, der schnell zu Vereinfachungen einlädt. Wer ihn jedoch als Anlass versteht, die eigenen Abhängigkeiten, Risiken und Erwartungen genauer zu betrachten, gewinnt vor allem eines: Klarheit darüber, wo Handlungsbedarf besteht – und wo nicht.
Hinweis zum Lesen: Wir haben die folgenden Denkansätze bewusst so angeordnet, dass sie nicht bei technischen Lösungen beginnen, sondern bei der Frage, wie digitale Risiken überhaupt gedacht und eingeordnet werden sollten. Erst aus dieser Perspektive ergeben sich Überlegungen zu Abhängigkeiten, Technik und möglichen Konsequenzen.
Digitale Souveränität wird häufig wie ein erreichbarer Zustand beschrieben: entweder man ist souverän oder man ist es nicht. Diese Vorstellung greift zu kurz. Unternehmen bewegen sich stets in Abhängigkeiten – technologischen, organisatorischen und wirtschaftlichen. Souveränität zeigt sich nicht im Fehlen dieser Abhängigkeiten, sondern in der Fähigkeit, bewusst mit ihnen umzugehen.
Wer digitale Souveränität als Entscheidungsrahmen versteht, verschiebt den Fokus. Weg von der Suche nach der „richtigen“ Technologie, hin zur Frage, ob Entscheidungen informiert, nachvollziehbar und bei Bedarf revidierbar getroffen werden können. In diesem Verständnis ist Souveränität kein Endpunkt, sondern eine fortlaufende Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen.
Digitale Souveränität ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein fortlaufender Entscheidungsrahmen.
Strategische, technische und vertragliche Entscheidungen sollten daher überprüfbar und veränderbar bleiben, statt als endgültig abgeschlossen zu gelten.
Die aktuelle Debatte wird stark durch politische Entwicklungen geprägt. Öffentliche Aussagen, abrupte Kurswechsel und eine zunehmend polarisierte Rhetorik – insbesondere aus den Vereinigte Staaten sowie aus dem Umfeld von Donald Trump – verstärken bei vielen Unternehmen den Eindruck, dass bisherige Annahmen über Stabilität und Verlässlichkeit nicht mehr gelten.
Diese Verunsicherung ist nicht irrational. Sie entsteht weniger aus konkreten Maßnahmen als aus der wahrgenommenen Unberechenbarkeit politischer Entscheidungen. Problematisch wird sie dort, wo sie unmittelbar in technische oder organisatorische Umbauten übersetzt wird. Technik kann politische Volatilität nicht neutralisieren. Sie kann lediglich bestimmte Risiken adressieren – vorausgesetzt, diese sind zuvor klar benannt und verstanden.
Geopolitische Abhängigkeiten müssen verstanden werden – nicht reflexartig vermieden.
Bewertungen sollten sich an Nutzung, Datenarten und tatsächlicher Kritikalität orientieren, nicht allein an der Herkunft eines Anbieters.
In der öffentlichen Diskussion wird Abhängigkeit häufig mit Kontrollverlust gleichgesetzt. Diese Gleichsetzung hält einer genaueren Betrachtung kaum stand. Unternehmen sind ohne Abhängigkeiten nicht denkbar: Sie sind abhängig von Energie, Netzen, Software, spezialisierten Dienstleistern und qualifizierten Mitarbeitenden. Abhängigkeit ist der Normalzustand unternehmerischen Handelns.
Relevant wird sie dort, wo ihre Kritikalität unterschätzt wird. Nicht jede Abhängigkeit ist geschäftsentscheidend, und nicht jede geschäftsentscheidende Abhängigkeit ist akut gefährlich. Risiko entsteht aus dem Zusammenspiel von Wirkung, Eintrittswahrscheinlichkeit und Reaktionsfähigkeit. Viele Debatten um digitale Souveränität vermischen diese Ebenen – und erzeugen so Handlungsdruck an Stellen, an denen er wenig bewirkt.
Nicht jede Abhängigkeit ist ein Risiko – kritisch wird sie erst dort, wo sie das Unternehmen im Ernstfall handlungsunfähig macht.
Der Blick richtet sich weniger auf die Vielzahl von Abhängigkeiten als auf jene wenigen Punkte, an denen Ausfälle oder Einschränkungen unmittelbar auf den Geschäftsbetrieb durchschlagen würden.
On-Premises-Betrieb, deutsche oder europäische Cloud-Angebote, Open-Source-Software – all das kann ein sinnvolles Ergebnis einer Souveränitätsstrategie sein. Entscheidend ist jedoch die Reihenfolge. Wer mit der Technik beginnt, ohne das zugrunde liegende Risiko verstanden zu haben, verlagert häufig Probleme, statt sie zu lösen.
Die zentrale Vorarbeit ist organisatorischer Natur: Zuständigkeiten, Entscheidungswege, Abhängigkeiten und Prozesse. Erst wenn diese Ebene geklärt ist, lassen sich technische Optionen sinnvoll bewerten. Technik wird damit nicht abgewertet – sie wird eingeordnet.
Technik ist das Ergebnis einer Klärung – nicht ihr Ersatz.
Zuständigkeiten, Entscheidungswege und realistische Szenarien sollten klar sein, bevor Architekturentscheidungen getroffen werden.
In Zeiten erhöhter Unsicherheit wächst die Versuchung, jedes denkbare Szenario technisch abzusichern. Sicherheit ist jedoch kein Absolutwert, sondern stets das Ergebnis einer Abwägung. Überreaktionen erhöhen häufig die Komplexität und schaffen neue Abhängigkeiten.
Unternehmerische Verantwortung bedeutet, Risiken in Relation zu setzen – auch dann, wenn dies bedeutet, bestimmte Risiken bewusst zu akzeptieren.
Sicherheit entsteht durch Abwägung, nicht durch maximale Absicherung.
Jeder Maßnahme sollte die tatsächliche Risikoreduktion gegenübergestellt werden – einschließlich Kosten, Komplexität und Nebenwirkungen.
Politische Entscheidungen lassen sich nicht kontrollieren. Abschottung verspricht Sicherheit, liefert sie aber selten. Handlungsspielraum entsteht durch Vorbereitung: Transparenz über Abhängigkeiten, bewertete Szenarien und bekannte Optionen. Was könnte wirklich passieren - und was tut man dann?
Handlungsfähigkeit entsteht durch Vorbereitung – nicht durch Abschottung.
Alternativen, Entscheidungsgrundlagen und Verantwortlichkeiten sollten vor dem Ernstfall bekannt und greifbar sein.
Wie bei einem Bauvorhaben entscheidet der Plan über das Ergebnis. Bevor Systeme verlagert, ersetzt oder zurückgebaut werden, sollte klar sein, welches konkrete Risiko dadurch reduziert werden soll – und welches bewusst nicht.
Jede Veränderung braucht ein klares Ziel – sonst wird sie Selbstzweck.
Vor Veränderungen sollte definiert sein, welches Risiko reduziert werden soll und woran sich ein Erfolg später messen lässt.
Dieser Beitrag soll Einordnung und Denkanstoß sein – nicht Anleitung und nicht abschließende Bewertung. Digitale Souveränität hängt stark von Branche, Geschäftsmodell, IT-Landschaft, Risikotoleranz und organisatorischer Reife ab. Eine strukturierte Analyse kann deshalb – je nach Ausgangslage – zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Gerade deshalb lohnt es sich, vor großen Umbauten innezuhalten. Nicht jede Unsicherheit verlangt nach einer sofortigen Lösung. Manche verlangen zunächst nach ruhigem, strukturiertem Nachdenken.
Sie suchen einen Sparringspartner dafür? Wir sind für Sie bereit, laden Sie uns doch zu einer Gesprächsrunde ein!

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