Fachbeiträge
Neuigkeiten zu IT-Themen und Comp4U


Am Dienstag, dem 14. Juli 2026, veröffentlichte Microsoft einen außergewöhnlich umfangreichen Patchday. Der aktuelle, nachträglich revidierte MSRC-Stand umfasst 642 eindeutige Microsoft-CVEs; zusätzlich veröffentlicht Microsoft 461 nicht von Microsoft vergebene Chromium-CVEs erneut, die nicht auf die 642 addiert werden sollten. Für den ursprünglichen Veröffentlichungsstand wurden – abhängig von Scope und Erfassungsmethode – bis zu 62 als „Critical“ eingestufte Schwachstellen gezählt. Am Patchday waren zwei Schwachstellen aktiv ausgenutzt und eine weitere öffentlich bekannt. Bis zum Informationsstand dieses Beitrags kennzeichnet Microsoft drei CVEs als aktiv ausgenutzt; CISA führt mit CVE-2026-50522 eine vierte Juli-Schwachstelle im KEV-Katalog, deren aktive Ausnutzung Microsoft derzeit nicht bestätigt. Am stärksten betroffen sind Windows mit 422, Office mit 82, Edge mit 47 und SharePoint Server mit 17 Microsoft-CVEs. Operativ haben internetexponierte SharePoint-Farmen, AD-FS-Systeme und zentrale Infrastrukturserver Vorrang vor dem regulären Client-Rollout. (Microsoft Security Response Center)

Die im Juli veröffentlichten Schwachstellenzahlen unterscheiden sich ungewöhnlich stark. Das liegt nicht allein an Fehlern in Sekundärberichten, sondern vor allem an unterschiedlichen Stichtagen, der getrennten Behandlung von Edge- und Chromium-CVEs, Cloud-only-Schwachstellen, nachträglichen MSRC-Revisionen und mehrfach aufgeführten Office-Servicing-Zweigen.
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Zählweise |
Zahl |
Einordnung |
|---|---|---|
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Aktueller MSRC-Stand |
642 |
Eindeutige Microsoft-CVEs im revidierten Juli-Datensatz |
|
Ursprüngliche breite Erfassung am 14. Juli |
622 |
Früher MSRC-Export einschließlich Microsoft-Edge-Einträgen |
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Engere Erfassungen am 14. Juli |
569–570 |
Je nach Quelle ohne separat behandelte Edge-/Chromium-, Cloud- oder bereits zuvor veröffentlichte Einträge |
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Nicht von Microsoft vergebene Chromium-CVEs |
461 |
Von Microsoft erneut veröffentlicht; separat auszuweisen und nicht zu den 642 zu addieren |
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Office 2016 |
82 |
Eigener Servicing-Zweig derselben 82 Office-CVEs; keine zusätzlichen 82 eindeutigen Schwachstellen |
Auch die Zahl kritischer Schwachstellen variiert zwischen 56, 57, 59, 62 und vereinzelt 63. Für die Ausgangsbasis dieses Beitrags werden 62 ursprünglich als Critical erfasste CVEs verwendet. Davon betreffen fünf reine Cloud-Dienste, bei denen Microsoft keine kundenseitige Patchinstallation verlangt. Einige Auswertungen behandeln darüber hinaus den Minecraft Bedrock Dedicated Server nicht als direkt erforderliche Kundenaktion und kommen deshalb auf 56 statt 57 handlungsrelevante Critical-Einträge. Der aktuelle MSRC-Release-Note-Stand von 642 veröffentlicht keine entsprechend revidierte Schweregradverteilung; eine pauschale Aussage „62 von 642“ wäre deshalb ohne diesen Hinweis ungenau. (Microsoft Security Response Center)
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Produktfamilie |
Eindeutige CVEs |
|
Windows |
422 |
|
Office |
82 |
|
Microsoft Edge |
47 |
|
Developer Tools |
27 |
|
Azure |
22 |
|
SharePoint Server |
17 |
|
SQL Server |
8 |
|
Exchange Server |
6 |
|
Sonstige Produkte |
6 |
|
Defender |
5 |
|
Gesamt |
642 |
Die zusätzlich in der Microsoft-Tabelle angezeigten 82 Office-2016-Einträge bilden einen separaten Updateweg derselben Office-Schwachstellen ab. Sie dürfen nicht erneut in die Gesamtsumme aufgenommen werden. (Microsoft Security Response Center)
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Datum |
Entwicklung |
|
14. Juli 2026 |
Microsoft meldet aktive Ausnutzung von CVE-2026-56155 in AD FS und CVE-2026-56164 in SharePoint Server. CVE-2026-50661 in BitLocker war öffentlich bekannt, aber laut Microsoft nicht aktiv ausgenutzt. |
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16. Juli 2026 |
CISA nimmt CVE-2026-58644 in den KEV-Katalog auf; Microsoft kennzeichnet die SharePoint-RCE ebenfalls als aktiv ausgenutzt. |
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22. Juli 2026 |
CISA nimmt CVE-2026-50522 wegen bestätigter Ausnutzung in den KEV-Katalog auf. Microsoft führt diese CVE im aktuellen CSAF-Datensatz weiterhin als nicht aktiv ausgenutzt. |
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27. Juli 2026 |
Damit bestehen drei durch Microsoft bestätigte aktiv ausgenutzte Juli-CVEs und eine weitere durch CISA bestätigte SharePoint-Ausnutzung. |
Die von CISA gesetzten Fristen – 17. Juli für CVE-2026-56164, 19. Juli für CVE-2026-58644, 25. Juli für CVE-2026-50522 und 28. Juli für CVE-2026-56155 – sind verbindlich für die betroffenen US-Bundesbehörden. Für Unternehmen außerhalb dieses Geltungsbereichs stellen sie dennoch ein belastbares Dringlichkeitssignal dar. (CISA)
Da der Informationsstand bereits knapp zwei Wochen nach dem Patchday liegt, gelten ausstehende P0- und P1-Maßnahmen nicht mehr als reguläre Patchplanung, sondern als überfällige Risikobehandlung.
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CVE |
Produkt und Wirkung |
CVSS / Vektor |
Exploit-Status |
Priorität |
|
CVE-2026-58644 |
SharePoint Server, Deserialisierung nicht vertrauenswürdiger Daten mit unauthentifizierter Remote Code Execution |
9,8; AV:N/AC:L/PR:N/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:H |
Aktive Ausnutzung durch Microsoft und CISA bestätigt; funktionaler Exploit laut Microsoft |
P0 |
|
CVE-2026-50522 |
SharePoint Server, Deserialisierung mit potenziell unauthentifizierter RCE über das Netzwerk |
9,8; AV:N/AC:L/PR:N/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:H |
CISA bestätigt aktive Ausnutzung; Microsoft führt weiterhin „Exploited: No“ |
P0 |
|
CVE-2026-56164 |
SharePoint Server, fehlende Authentifizierung an einer kritischen Funktion; Rechteausweitung über das Netzwerk |
5,3; Netzwerk, ohne Authentifizierung und ohne Benutzerinteraktion |
Aktive Ausnutzung durch Microsoft und CISA bestätigt |
P0 |
|
CVE-2026-56155 |
AD FS, unzureichend granulare Zugriffskontrolle; lokale Rechteausweitung durch einen bereits autorisierten Angreifer |
7,8; AV:L/AC:L/PR:L/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:H |
Aktive Ausnutzung durch Microsoft und CISA bestätigt |
P0/P1 |
|
CVE-2026-50661 |
BitLocker, Umgehung der Laufwerksverschlüsselung bei physischem Zugriff |
6,1; AV:P/AC:L/PR:N/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:N |
Öffentlich bekannt; laut Microsoft nicht aktiv ausgenutzt |
P2, bei mobilen Hochrisikogeräten P1 |
|
CVE-2026-56190 |
Remote Desktop Protocol Server, unauthentifizierte RCE; besonders relevant, wenn NLA deaktiviert ist |
9,8; Netzwerk, geringe Komplexität, keine Anmeldung und keine Benutzerinteraktion |
Keine Microsoft-Bestätigung für aktive oder öffentliche Ausnutzung |
P1 |
Bei CVE-2026-50522 besteht eine relevante Quellenabweichung: CISA führt die Schwachstelle aufgrund bestätigter Ausnutzung im KEV-Katalog. Microsoft markiert sie im aktuellen CSAF-Datensatz dagegen weiterhin als „Exploited: No“. Die aktive Ausnutzung ist damit durch CISA bestätigt, aktuell aber nicht durch Microsoft. (Microsoft Security Response Center)
Für eine teilweise diskutierte Zuordnung von CVE-2026-50661 zu extern benannten BitLocker-Exploitketten gilt: Aktuell keine Bestätigung durch Microsoft.
Die folgenden Tabellen bilden die 62 Critical-CVEs des ursprünglichen Juli-Datensatzes ab. Der Angriffsvektor wird aus Gründen der Lesbarkeit kompakt angegeben. Soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt, bestand im ausgewerteten Microsoft-Datensatz zum Informationsstand keine Kennzeichnung als aktiv ausgenutzt oder öffentlich bekannt.
|
CVE |
Komponente und Wirkung |
CVSS |
Angriffsvektor und Voraussetzung |
Exploit-Relevanz / Priorität |
|
CVE-2026-57092 |
Windows VMSwitch, Rechteausweitung bis zum Host |
9,9 |
Authentifizierter Angreifer in einer VM; geringe Rechte; möglicher VM-zu-Host-Grenzübertritt |
Nicht als aktiv/öffentlich markiert; P1 für Hyper-V |
|
CVE-2026-56188 |
Windows Server Network Driver, RCE |
9,8 |
Netzwerk, ohne Authentifizierung oder Benutzerinteraktion; Race Condition |
Nicht bestätigt; P1 |
|
CVE-2026-50518 |
Windows DHCP Server, RCE |
9,8 |
Netzwerk, unauthentifiziert; präparierte Domain-Namensdaten |
Nicht bestätigt, Ausnutzung laut Microsoft wahrscheinlicher; P1 |
|
CVE-2026-56159 |
DHCP Server Service, RCE |
9,8 |
Netzwerk, unauthentifiziert; präparierte Option-43-Daten |
Nicht bestätigt; P1 |
|
CVE-2026-48564 |
DHCP Server Service, RCE |
8,8 |
Netzwerk/RPC, geringe vorhandene Rechte erforderlich |
Nicht bestätigt; P1 |
|
CVE-2026-50370 |
DHCP Server Service, RCE |
8,8 |
Angreifer im angrenzenden Netzwerk, keine Rechte |
Nicht bestätigt, Ausnutzung wahrscheinlicher; P1 |
|
CVE-2026-54128 |
Windows DHCP Client, RCE |
8,4 |
Lokal beziehungsweise über kontrollierte Netzwerkkonfiguration; keine Rechte oder Interaktion |
Nicht bestätigt, Ausnutzung wahrscheinlicher; P1/P2 |
|
CVE-2026-50522 |
SharePoint Server, RCE durch Deserialisierung |
9,8 |
Netzwerk, laut CVSS ohne Authentifizierung und ohne Interaktion |
CISA: aktiv; Microsoft: nicht bestätigt; P0 |
|
CVE-2026-58644 |
SharePoint Server, RCE durch Deserialisierung |
9,8 |
Netzwerk, unauthentifiziert, keine Interaktion |
Microsoft und CISA: aktiv; P0 |
|
CVE-2026-55040 |
SharePoint Server, Umgehung einer Sicherheitsfunktion |
9,1 |
Netzwerk, unauthentifiziert; anonyme Verbindung und Identitätsvortäuschung möglich |
Keine aktive Ausnutzung bestätigt; P1, als Kettenbaustein relevant |
|
CVE-2026-55944 |
Dynamics NAV/Business Central on-premises, RCE |
9,8 |
Netzwerk, unauthentifiziert; unsichere Deserialisierung |
Nicht bestätigt; P1 bei exponierten Instanzen |
|
CVE-2026-55008 |
Exchange Server, Spoofing beziehungsweise gespeichertes XSS |
9,6 |
Präparierte E-Mail; OWA-Benutzer muss die Nachricht öffnen |
Nicht bestätigt; P1 |
|
CVE-2026-54121 |
Active Directory Certificate Services, Rechteausweitung |
8,8 |
Netzwerk, vorhandene geringe Rechte und Zugriff auf den Zertifikatsdienst |
Nicht bestätigt; P1 |
|
CVE-2026-49164 |
Active Directory Domain Services, RCE |
8,1 |
Netzwerk, unauthentifiziert; hohe Angriffskomplexität |
Nicht bestätigt; P1 für Domänencontroller |
|
CVE-2026-54982 |
RMCAST, RCE |
8,8 |
Angrenzendes Netzwerk, unauthentifiziert, keine Interaktion |
Nicht bestätigt; P1 bei aktivem RMCAST |
|
CVE-2026-54995 |
RMCAST, RCE |
8,1 |
Netzwerk, unauthentifiziert; erhöhte Angriffskomplexität |
Nicht bestätigt; P1/P2 |
|
CVE-2026-54999 |
Windows TCP/IP, RCE |
8,8 |
Angrenzendes Netzwerk, unauthentifiziert; Race Condition |
Nicht bestätigt; P1 |
|
CVE-2026-50474 |
Remote Desktop Client, RCE |
8,8 |
Benutzer verbindet sich mit einem durch den Angreifer kontrollierten RDP-Server |
Nicht bestätigt; P2, auf Adminsystemen P1 |
|
CVE-2026-50444 |
Windows Server Update Services, Rechteausweitung |
8,8 |
Remote, geringe Rechte, keine Benutzerinteraktion |
Nicht bestätigt; P1 |
|
CVE-2026-58608 |
Windows Print Spooler, RCE |
8,8 |
Remote, geringe Rechte, keine Benutzerinteraktion |
Nicht bestätigt; P1, Spooler auf Servern einschränken |
|
CVE-2026-54117 |
SQL Server, RCE |
8,8 |
Authentifizierter Netzwerkzugriff und explizite SQL-Berechtigungen |
Nicht bestätigt; P1 |
|
CVE-2026-54118 |
SQL Server, RCE |
8,8 |
Authentifizierter Netzwerkzugriff und explizite SQL-Berechtigungen |
Nicht bestätigt; P1 |
|
CVE-2026-54992 |
MSMQ Queue Manager, RCE |
8,4 |
Lokaler Vektor, keine Anmeldung oder Interaktion; Heap-Überlauf |
Nicht bestätigt; P1 auf Servicehosts, sonst P2 |
|
CVE-2026-50680 |
Windows Hyper-V, Rechteausweitung |
8,2 |
Lokaler beziehungsweise Gastkontext; Erhöhung bis SYSTEM |
Nicht bestätigt; P1 |
|
CVE-2026-54127 |
Windows Hyper-V, Rechteausweitung |
7,4 |
Lokaler Angreifer; hohe Komplexität |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-50694 |
Windows SSTP, RCE |
8,1 |
Netzwerk, unauthentifiziert; hohe Komplexität |
Nicht bestätigt; P1 bei VPN-/SSTP-Nutzung |
Die Netzwerk- und Infrastrukturgruppe enthält mehrere Schwachstellen, bei denen ein hoher CVSS-Wert mit einer besonders attraktiven Serverrolle zusammentrifft. Die höchste operative Relevanz entsteht bei SharePoint, DHCP, Domänendiensten, AD CS, WSUS, RDP, Hyper-V und öffentlich erreichbaren SSTP-Endpunkten. (CrowdStrike.com)
|
CVE |
Komponente und Wirkung |
CVSS |
Angriffsvektor und Voraussetzung |
Exploit-Relevanz / Priorität |
|
CVE-2026-48561 |
Microsoft Copilot, RCE durch Command Injection |
9,6 |
Netzwerk, unauthentifiziert; Benutzerinteraktion, Scope-Wechsel |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-50380 |
Windows GDI+, RCE |
9,6 |
Remote bereitgestellter präparierter Inhalt; Benutzerinteraktion |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-50382 |
DirectX Graphics Kernel, RCE |
8,8 |
Lokaler Angreifer mit geringen Rechten; auch Gast-zu-Host-Szenario relevant |
Nicht bestätigt; P1 für Virtualisierung |
|
CVE-2026-49796 |
Windows GDI+, RCE |
7,8 |
Lokaler Vektor über präparierten Inhalt; Benutzerinteraktion |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-57087 |
Windows Media Foundation, RCE |
8,8 |
Präparierte Mediendatei über Netzwerk; Benutzerinteraktion |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-57090 |
Windows Media Foundation, RCE |
8,8 |
Netzwerkbasierter präparierter Medieninhalt |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-57094 |
Windows Media Foundation, RCE |
8,8 |
Präparierte Mediendatei; Benutzerinteraktion |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-50655 |
Windows Media Foundation, RCE |
7,8 |
Lokaler Vektor über präparierten Inhalt |
Nicht bestätigt, Ausnutzung wahrscheinlicher; P2 |
|
CVE-2026-56189 |
Windows Media Foundation, RCE |
7,8 |
Lokaler Vektor; Benutzerinteraktion |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55045 |
Microsoft Office, RCE |
8,4 |
Präparierte Datei; Vorschaufenster ist Angriffsvektor |
Nicht bestätigt; P1 für RDS/Adminsysteme, sonst P2 |
|
CVE-2026-50314 |
Microsoft Office, RCE |
7,8 |
Präparierte Datei; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-50467 |
Microsoft Office, RCE |
7,8 |
Präparierte Datei; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55018 |
Microsoft Office, RCE |
7,8 |
Präparierte Datei; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55022 |
Microsoft Office, RCE |
7,8 |
Type Confusion über präparierte Datei; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55049 |
Microsoft Office, RCE |
7,8 |
Heap-Überlauf; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55056 |
Microsoft Office, RCE |
7,8 |
Heap-Überlauf; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55129 |
Microsoft Office, RCE |
7,8 |
Heap-Überlauf; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55140 |
Microsoft Office, RCE |
7,8 |
Heap-Überlauf; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-42982 |
Windows Secure Kernel Mode, Rechteausweitung |
7,8 |
Lokaler Angreifer mit geringen Rechten; mögliche SYSTEM-Rechte |
Nicht bestätigt; P1 auf privilegierten Systemen |
|
CVE-2026-50392 |
Windows Secure Kernel Mode, Rechteausweitung |
7,0 |
Lokal; hohe Komplexität beziehungsweise Race Condition |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55011 |
Microsoft Defender Malware Protection Engine, RCE |
7,8 |
Präparierte Datei; Download beziehungsweise Öffnen erforderlich |
Nicht bestätigt; P1/P2, automatische Engine-Updates prüfen |
|
CVE-2026-55012 |
Microsoft Defender Malware Protection Engine, RCE |
7,8 |
Präparierte Datei; Benutzerinteraktion |
Nicht bestätigt; P1/P2 |
|
CVE-2026-50327 |
Windows Media, RCE |
7,8 |
Präparierte Mediendatei; lokaler Ausführungskontext |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-58542 |
Windows Media, RCE |
7,8 |
Präparierte Mediendatei; lokaler Ausführungskontext |
Nicht bestätigt; P2 |
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CVE-2026-55043 |
PowerPoint, RCE |
7,8 |
Öffnen einer präparierten Präsentation erforderlich |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55120 |
PowerPoint, RCE |
7,8 |
Öffnen einer präparierten Präsentation erforderlich |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55123 |
PowerPoint, RCE |
7,8 |
Öffnen einer präparierten Präsentation erforderlich |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55033 |
Word, RCE |
7,8 |
Präpariertes Dokument; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55127 |
Word, RCE |
7,8 |
Präpariertes Dokument; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
|
CVE-2026-55132 |
Word, RCE |
7,8 |
Präpariertes Dokument; Vorschaufenster |
Nicht bestätigt; P2 |
Insbesondere in RDS-Farmen, auf administrativen Arbeitsplätzen und auf Systemen, die E-Mail-Anhänge oder Dokumente mit erhöhten Rechten verarbeiten, ist die praktische Relevanz der Office- und Medienlücken höher als auf standardisierten Benutzerendgeräten. Das Vorschaufenster ist bei zwölf der aufgeführten Office- und Word-CVEs bereits als Angriffsfläche ausreichend; ein bewusstes Öffnen des Dokuments ist dort nicht zwingend erforderlich. (Cisco Talos Blog)
|
CVE |
Dienst und Wirkung |
CVSS |
Angriffsvektor |
Kundenaktion |
|
CVE-2026-45499 |
Azure OpenAI, Rechteausweitung beziehungsweise SSRF |
9,9 |
Netzwerk, Cloud-Dienst |
Cloudseitig behoben; Status und mögliche Tenant-Hinweise prüfen |
|
CVE-2026-57100 |
Microsoft Entra Provisioning Service, Rechteausweitung |
9,9 |
Netzwerk, Cloud-Dienst |
Cloudseitig behoben; Provisioning-Logs kontrollieren |
|
CVE-2026-55010 |
Minecraft Bedrock Dedicated Server, RCE |
9,8 |
Netzwerk, unauthentifiziert |
Selbst betriebene Instanzen und Updatekanal prüfen |
|
CVE-2026-41106 |
Microsoft 365 Copilot, Rechteausweitung |
9,3 |
Netzwerk, manipulierte URL-Weiterleitung |
Cloudseitig behoben; keine lokale Patchinstallation |
|
CVE-2026-54998 |
Exchange Online, Rechteausweitung |
8,8 |
Authentifizierter Netzwerkangriff |
Cloudseitig behoben; Audit- und Service-Health-Daten prüfen |
|
CVE-2026-26145 |
Azure Synapse, Rechteausweitung |
4,8 |
Authentifizierter Netzwerkangriff |
Cloudseitig behoben; keine lokale Patchinstallation |
Dass Microsoft CVE-2026-26145 trotz eines CVSS-Basiswerts von 4,8 als Critical einstuft, zeigt die Grenzen einer rein scorebasierten Priorisierung. Produktkontext, mögliche Mandanten- oder Vertrauensgrenzen und die Microsoft-Schweregradeinstufung bleiben zusätzlich zu berücksichtigen. (CrowdStrike.com)
Die wichtigste nicht als Critical eingestufte RCE ist CVE-2026-56190 im Windows Remote Desktop Protocol Server. Mit CVSS 9,8 ist die Lücke unauthentifiziert über das Netzwerk und ohne Benutzerinteraktion ausnutzbar. Microsoft bewertet sie dennoch als Important. Systeme, auf denen Network Level Authentication deaktiviert ist oder RDP direkt aus nicht vertrauenswürdigen Netzen erreichbar bleibt, sollten mit P1 behandelt werden. (CrowdStrike.com)
Daneben verdienen auch Rechteausweitungen in Windows Admin Center, Kernel-, Dateisystem- und Treiberkomponenten erhöhte Aufmerksamkeit. Sie sind vor allem als zweite Stufe einer Angriffskette relevant: Nach initialem Zugriff über Phishing, RDP, SharePoint oder eine Webanwendung kann eine lokale EoP-Lücke die Übernahme von SYSTEM-Rechten und die weitere Ausbreitung ermöglichen.
|
Produkt |
Juli-Update |
Build nach Installation |
Hinweise |
|
Windows 11 25H2 |
KB5101650 |
26200.8875 |
Reguläres kumulatives Sicherheitsupdate |
|
Windows 11 24H2 |
KB5101650 |
26100.8875 |
Reguläres kumulatives Sicherheitsupdate |
|
Windows 11 25H2, betroffene Dell-/Intel-IPF-Geräte |
KB5121767 OOB |
26200.8894 |
Nur für vom Intel-IPF-Problem betroffene Geräte empfohlen |
|
Windows 11 24H2, betroffene Dell-/Intel-IPF-Geräte |
KB5121767 OOB |
26100.8894 |
Kumulativ; enthält die Juli-Sicherheitskorrekturen |
|
Windows 11 26H1 |
KB5101649 |
28000.2525 |
Gerätespezifischen Servicing-Kanal beachten |
|
Windows 11 23H2 |
KB5099414 |
22631.7376 |
Unterstützte Editionen und Lifecycle prüfen |
|
Windows 10 22H2 mit ESU |
KB5099539 |
19045.7548 |
Nur noch im berechtigten ESU-Kontext |
|
Windows 10 Enterprise LTSC 2021 |
KB5099539 |
19044.7548 |
LTSC-Lifecycle beachten |
|
Windows Server 2025 |
KB5099536 |
26100.33158 |
Für Cluster zunächst Pilotknoten verwenden |
|
Windows Server 2022 |
KB5099540 |
20348.5386 |
BitLocker-GPO-Hinweis beachten |
|
Windows Server 2019 |
KB5099538 |
17763.9020 |
Betrifft unter anderem AD-, RDS- und Infrastrukturrollen |
|
Windows Server 2016 |
KB5099535 |
14393.9339 |
Aktuelles SSU, darunter KB5099542, sicherstellen |
|
Windows Server 2012 R2 ESU |
KB5099444 |
6.3.9600.23291 |
Nur mit gültiger ESU-Berechtigung |
|
Windows Server 2012 ESU |
KB5099445 |
6.2.9200.26226 |
Nur mit gültiger ESU-Berechtigung |
Microsoft dokumentiert für Windows 11 24H2 Home und Pro ein Supportende am 13. Oktober 2026; Enterprise und Education bleiben bis 12. Oktober 2027 unterstützt. Für längerfristige Rolloutplanung sollte 24H2 Home/Pro daher nicht als dauerhafte Zielplattform betrachtet werden. (Microsoft Support)
|
Version |
Juli-Update |
Build |
Bewertung |
|
SharePoint Server Subscription Edition |
KB5002882 |
16.0.19725.20434 |
Aktueller Juli-Stand; höchste Priorität |
|
SharePoint Server 2019 |
KB5002883 |
16.0.10417.20175 |
Aktueller Juli-Stand; höchste Priorität |
|
SharePoint Server 2016 |
KB5002891 |
16.0.5561.1001 |
Aktueller Juli-Stand; höchste Priorität |
CVE-2026-58644 wurde bereits durch die Juni-Updates in den Builds 16.0.5556.1005, 16.0.10417.20153 beziehungsweise 16.0.19725.20384 korrigiert, aber erst im Juli als aktiv ausgenutzte CVE eingeordnet. Die Juli-Updates überholen diese Mindeststände und enthalten zugleich die weiteren Juli-Korrekturen. Die Prüfung darf deshalb nicht bei der Feststellung „Juni-CU installiert“ enden. Der Zielzustand ist der aktuelle Juli-Build oder ein späteres kumulatives Update. (Microsoft Security Response Center)
Nach der Binärinstallation muss PSConfig auf allen Farmservern erfolgreich abgeschlossen werden. Für die Subscription Edition dokumentiert Microsoft anschließend derzeit folgende Einstellung, um eine noch in Entwicklung befindliche Defense-in-Depth-Prüfung zu deaktivieren, die eine Regression auslösen kann:
$farm = Get-SPFarm
$farm.DisableActorTokenAudienceValidation = $true
$farm.Update()
Bestehende Actor-Token-Prüfungen bleiben laut Microsoft aktiv. Diese Einstellung ist kein Ersatz für die Sicherheitsupdates. (Microsoft Support)
|
Exchange-Version |
Security Update |
Ziel-Build |
|
Exchange Server Subscription Edition RTM |
KB5103212 / SU8 |
15.2.2562.45 |
|
Exchange Server 2019 CU15 |
KB5103213 / SU9 |
15.2.1748.48 |
|
Exchange Server 2019 CU14 |
KB5103214 / SU12 |
15.2.1544.43 |
|
Exchange Server 2016 CU23 |
KB5103215 / SU23 |
15.1.2507.71 |
Die Updates adressieren unter anderem CVE-2026-55005, CVE-2026-55006, CVE-2026-55008 und CVE-2026-55009. Exchange 2016 und 2019 erhalten diese Korrekturen 2026 nur noch im vorgesehenen Extended-Security-Update-Kontext. Umgebungen außerhalb dieses Berechtigungs- und Supportmodells benötigen eine beschleunigte Migration auf Exchange Server Subscription Edition oder eine andere unterstützte Zielarchitektur. Nach Installation ist der Exchange Server Health Checker auszuführen; zusätzlich sind Extended Protection, Zertifikatsbindungen, Mailflow und Hybridfunktionen zu kontrollieren. (Microsoft Support)
Für Office enthält der aktuelle MSRC-Datensatz 82 eindeutige CVEs. Microsoft 365 Apps sollten über den jeweils freigegebenen Updatekanal auf den aktuellen Sicherheitsstand gebracht werden. Bei MSI-basierten Office-Installationen und Office 2016 sind die einzelnen Produktupdates anhand des Microsoft-Office-Updateindex zuzuordnen. Die 82 separat ausgewiesenen Office-2016-Einträge sind kein zweites Schwachstellenpaket, sondern ein eigener Servicing-Pfad. (Microsoft Security Response Center)
Für SQL Server enthält der Juli-Datensatz acht CVEs. Bei SQL Server 2025 stehen unter anderem der GDR-Zweig KB5102333, Build 17.0.1125.2, und der CU6-Zweig KB5101346, Build 17.0.4060.2, zur Verfügung. Die Auswahl muss dem vorhandenen Servicing-Zweig entsprechen; ein Wechsel zwischen GDR und CU sollte nicht unbeabsichtigt über das Patchmanagement erfolgen. CVE-2026-54117 und CVE-2026-54118 ermöglichen einem bereits authentifizierten Benutzer mit expliziten Berechtigungen eine Codeausführung und eine Erhöhung bis zum SQL-sysadmin-Kontext. (Microsoft Support)
Dell-Geräte mit Intel Innovation Platform Framework
KB5101650 wurde vorübergehend für eine begrenzte Zahl von Dell-Geräten mit Intel-IPF-Treiber zurückgehalten. Mögliche Auswirkungen waren veränderte Leistungsaufnahme, Temperaturentwicklung, Leistungseinbrüche oder unerwartetes Systemverhalten. Microsoft veröffentlichte am 18. Juli KB5121767 als kumulatives Out-of-Band-Update. Es ist nur für tatsächlich betroffene Geräte vorgesehen. Nicht betroffene Systeme benötigen dieses optionale OOB-Paket nicht. (Microsoft Support)
WSUS-Synchronisation und Timeouts
Seit etwa 13. Juli konnten übermäßig angewachsene oder fehlerhafte Detectoid-Metadaten zu langsamen WSUS-Synchronisationen, Timeouts und fehlgeschlagenen Clientscans führen. Microsoft stellte am 18. Juli serverseitig eine Mitigation bereit. Diese verhindert das Problem bei neuen oder neu aufgebauten WSUS-Installationen; bereits betroffene Datenbanken können weiterhin eine Bereinigung benötigen. Vor jedem von Microsoft beschriebenen Cleanup ist zwingend eine Sicherung der SUSDB anzulegen, da gelöschte Metadaten ohne Backup nicht wiederhergestellt werden können. Typische Clientfehler sind 0x80244010, 0x8024400E, 0x80244007, 0x80244022, 0x80240439 und 0x80072EE2. (Microsoft Support)
SharePoint-Authentifizierung und Workflows
In SharePoint-Farmen mit mehreren Web-Frontends und Trusted-Provider- oder Forms-Authentifizierung können nach dem Update wiederholte Anmeldeaufforderungen auftreten. Microsoft empfiehlt als vorläufige Abhilfe Sticky Sessions am Reverse Proxy. Die Eigenschaft SessionCookieTransformProtectionEnabled sollte nicht zur Umgehung deaktiviert werden. Zusätzlich dokumentiert Microsoft Probleme mit einzelnen Workflowstatus-Seiten beziehungsweise älteren Workflows; die versionsspezifischen KB-Hinweise sind vor dem Farm-Rollout zu prüfen. (Microsoft Support)
Offline-Images und boot.stl
Beim Einspielen dynamischer Updates in bestehende Windows-Installationsmedien muss eine zum Betriebssystem und zur Architektur passende Datei boot.stl enthalten sein. Fehlt sie, kann der Start des Mediums mit Fehler 0xc0430001 scheitern. Dies betrifft insbesondere gepflegte WinPE-, Autopilot-, Bare-Metal- und Recovery-Images. (Microsoft Support)
Windows Server 2022 und BitLocker
Microsoft dokumentiert für Windows Server 2022 bei einer nicht empfohlenen BitLocker-Gruppenrichtlinienkonfiguration mit expliziter PCR7-Auswahl eine mögliche einmalige Wiederherstellungsabfrage. Vor Cluster- oder Remote-Rollouts müssen Wiederherstellungsschlüssel nachweisbar gesichert und der Konsolenzugriff geklärt sein. (Microsoft Support)
Exchange Hybrid
In Hybridumgebungen können seit dem Juni-Sicherheitsupdate Wrapper-Nachrichten in freigegebenen Postfächern sichtbar werden. Das Juli-SU verweist weiterhin auf dieses bekannte Problem. Neben dem Health Checker sollten deshalb OWA, freigegebene Postfächer, Hybridmailflow und Kalenderdelegationen explizit in den Funktionstest aufgenommen werden. (Microsoft Support)
Die SharePoint-Lage ist nicht als isolierte Einzel-CVE zu betrachten. CISA meldet aktive Ausnutzung von CVE-2026-32201, CVE-2026-45659, CVE-2026-56164 und CVE-2026-58644 gegen lokale SharePoint-Instanzen. Hinzu kommt die spätere KEV-Aufnahme von CVE-2026-50522. Die Kombination aus fehlender Authentifizierung, Rechteausweitung, Sicherheitsfunktions-Bypass und unsicherer Deserialisierung ermöglicht mehrere mögliche Angriffspfade. (CISA)
Ein plausibles Szenario für eine internetexponierte Farm ist:
Der genaue Ablauf hängt von Farmversion, Patchstand, Authentifizierungsmodell und vorgeschalteten Komponenten ab. Die beschriebene Kette ist eine risikobasierte Ableitung aus den durch CISA dokumentierten Post-Exploitation-Aktivitäten und keine Aussage, dass jede beobachtete Kompromittierung alle Schritte umfasst. (CISA)
Folgerung für die Betriebsführung: Bei einer direkt aus dem Internet erreichbaren und zum Angriffszeitpunkt ungepatchten SharePoint-Instanz reicht die nachträgliche Installation des CU nicht aus. Das System muss bis zum Abschluss einer Kompromittierungsprüfung als potenziell betroffen behandelt werden. Patchen schließt die Eintrittsstelle, entfernt aber keine bereits installierte Webshell und macht gestohlene Machine Keys nicht wieder geheim.
CISA empfiehlt unter anderem:
CVE-2026-56155 betrifft die Berechtigungen des Distributed-Key-Manager-Containers. Dort liegen symmetrische Schlüssel, mit denen AD FS unter anderem privates Token-Signing- und Token-Encryption-Schlüsselmaterial schützt. Ist die ACL zu weit gefasst, kann ein bereits autorisierter lokaler Angreifer seine Rechte ausweiten und Zugang zu hochkritischem Identitätsmaterial erhalten.
Das Juli-Update versetzt AD FS zunächst in einen Auditmodus. Die Prüfung läuft beim Dienststart und anschließend alle 24 Stunden:
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Ereignis-ID |
Bedeutung |
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1132 |
DKM-ACL entspricht nicht dem erwarteten sicheren Zustand |
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1133 |
DKM-ACL ist korrekt |
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1134 |
Prüfung konnte nicht ausgeführt werden |
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1135 |
Remediation erfolgreich; vorherige ACL wird als SDDL protokolliert |
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1136 |
Remediation fehlgeschlagen |
Im sicheren Zielzustand haben nur Domain Admins, Enterprise Admins, SYSTEM und das AD-FS-Dienstkonto Zugriff. Auf Windows Server 2016 und höher kann die Remediation über den DWORD-Wert RemediateDkmAcl=1 unter HKLM\SOFTWARE\Microsoft\ADFS aktiviert werden. Microsoft plant ab dem Update vom 13. Oktober 2026 eine automatische Remediation, sofern sie nicht ausdrücklich mit dem Wert 0 deaktiviert wird. Für Windows Server 2012 und 2012 R2 gelten zusätzliche Berechtigungsschritte; dort findet keine automatische Oktober-Remediation statt. (Microsoft Support)
Für AD-FS-Farmen ergibt sich folgende Reihenfolge:
CVE-2026-49164 in Active Directory Domain Services erhöht die Bedeutung eines frühen Domänencontroller-Rollouts. Trotz hoher Angriffskomplexität ist der unauthentifizierte Netzwerkvektor in Verbindung mit der zentralen Stellung eines DC ausschlaggebend. Updates sollten standort- und rollenweise installiert werden: zuerst ein DC mit funktionierender Replikation und gesicherten System-State-Backups, anschließend Replikationsprüfung, DNS-, Kerberos- und Netlogon-Tests, danach die verbleibenden DCs.
CVE-2026-54121 in AD CS ist besonders relevant, wenn Zertifikatdienste mit breiten Enrollment-Rechten, Web Enrollment, NDES/SCEP oder privilegierten Templates betrieben werden. Nach dem Update sollten fehlgeschlagene Enrollment-Vorgänge, ausstehende Zertifikatsanforderungen und die Funktionsfähigkeit von Smartcard-, VPN- und Geräteauthentifizierung geprüft werden.
Die DHCP-CVEs CVE-2026-50518 und CVE-2026-56159 sind ohne Authentifizierung über das Netzwerk ausnutzbar. In hochverfügbaren DHCP-Failover-Paaren empfiehlt sich ein kontrollierter, sequenzieller Rollout mit vorheriger Prüfung des Replikationsstatus. DHCP-Auditlogs, Failover-State, Scope-Auslastung und Option-43-Nutzung sollten nach jedem Knoten kontrolliert werden.
WSUS ist sowohl durch CVE-2026-50444 als auch durch die im Juli beobachteten Synchronisationsprobleme betroffen. Ein fehlerfreier Patchdownload allein bestätigt daher noch keinen funktionierenden Deployment-Pfad. Zusätzlich sind SUSDB-Zustand, Synchronisationsdauer, IIS-App-Pool, Clientscan-Fehler und die tatsächliche Update-Compliance zu prüfen.
Zwei unterschiedliche RDP-Risiken sind zu unterscheiden:
Für RDS-Farmen bedeutet das: Network Level Authentication erzwingen, direkte Internetfreigaben vermeiden, RD Gateway und MFA verwenden, administrative Verbindungen von Benutzer-RDS-Sitzungen trennen und sowohl Session Hosts als auch Admin-Workstations priorisiert aktualisieren. Die Office-Schwachstellen mit Vorschaufenstervektor erhöhen das Risiko auf RDS-Systemen zusätzlich, weil viele Benutzer denselben Serverkontext und dieselben Applikationskomponenten verwenden.
CVE-2026-57092 im VMSwitch, CVE-2026-50382 im DirectX Graphics Kernel sowie CVE-2026-50680 und CVE-2026-54127 in Hyper-V betreffen unterschiedliche Virtualisierungsgrenzen. Besonders CVE-2026-57092 erreicht CVSS 9,9 und kann einen Übergang aus einem niedrig privilegierten Gastkontext zum Host ermöglichen.
Für Hyper-V- und Failover-Cluster sollte der Rollout deshalb nicht bis zum Ende des normalen Serverfensters zurückgestellt werden. Erforderlich sind:
VM-Snapshots sind kein Ersatz für applikationskonsistente Sicherungen der ausgeführten Domänencontroller, SQL-, Exchange- oder SharePoint-Workloads.
Bei Exchange ist CVE-2026-55008 wegen der Kombination aus unauthentifizierter Zustellung, OWA und möglicher JavaScript-Ausführung im Browserkontext besonders relevant. Vor dem Rollout sollten DAG-Zustand, Replikationsqueues, Load-Balancer-Drain und Zertifikatsbindungen dokumentiert werden. Nach jedem Knoten sind Mailflow, OWA, ECP, Autodiscover, ActiveSync, Hybrid und Extended Protection zu testen.
Die Office-RCEs betreffen vielfach bereits das Vorschaufenster. Administrative Systeme sollten daher nicht ausschließlich auf Benutzerdisziplin verlassen. Anhänge und Downloads müssen durch Mailgateway, Defender, Attack Surface Reduction, Protected View und Mark-of-the-Web geschützt bleiben. Auf Managementservern ist eine lokale Office-Installation grundsätzlich auf Notwendigkeit zu prüfen.
Die SQL-CVEs setzen vorhandene Anmeldung und Berechtigungen voraus. In gemeinsam genutzten Datenbankinstanzen, Entwicklungsumgebungen oder Systemen mit breiten Applikationskonten ist dies dennoch realistisch. Vor dem SQL-Patching sind Full Backups, Log Backups, AG-/Clusterzustand, Agent Jobs, Linked Server und verwendete ODBC/OLE-DB-Treiber zu prüfen. Microsoft dokumentiert für einzelne Zweige zudem ein mögliches MSDASQL-/Linked-Server-Problem; entsprechende Integrationen gehören in den Pilotbetrieb.
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Reihenfolge |
Zielsysteme |
Maßnahme |
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0 |
Internetexponierte oder am 14. Juli ungepatchte SharePoint-Farmen |
Exposition reduzieren, Logs und Systeme sichern, Kompromittierungsprüfung beginnen, Updates auf allen Farmservern installieren, PSConfig ausführen, Machine-Key- und Credential-Rotation risikogesteuert vorbereiten |
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1 |
AD-FS-Farmen |
Alle Knoten aktualisieren, Ereignisse 1132–1136 prüfen, DKM-ACL inventarisieren und kontrolliert härten |
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2 |
Domänencontroller, AD CS, DHCP, WSUS, RDS-Gateways, VPN/SSTP, Hyper-V, Exchange und SQL |
Rollenweise Pilotierung und sequenzieller HA-Rollout |
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3 |
Administrative Workstations, Jump Hosts, RDS-Session-Hosts, Office- und Defender-Endpunkte |
Beschleunigter Ring-Rollout; Vorschaufenster- und Dateivektoren berücksichtigen |
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4 |
Standardclients und übrige Server |
Breiter kumulativer Rollout mit Compliance-Nachkontrolle |
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5 |
Cloud-Dienste |
Service-Health-, Audit- und Tenantlogs prüfen; cloudseitige Behebung dokumentieren |
Für SharePoint sind mindestens folgende Signale zu korrelieren:
Für AD FS sind zusätzlich ungewöhnliche Tokenausstellungen, Änderungen an Claims Rules, Zertifikaten, Relying Parties und WAP-Konfigurationen zu prüfen. Ereignis 1132 ist nicht nur als Patchhinweis, sondern als konkrete Abweichung vom erwarteten DKM-Sicherheitszustand zu behandeln.
Für Windows- und Serverrollen sollten EDR-Telemetrie, Dienstabstürze, neue SYSTEM-Prozesse, RDP-Anmeldeereignisse, DHCP-Anomalien, WSUS-Fehlercodes sowie Hyper-V- und Clusterereignisse in die Nachkontrolle einfließen.
Der Microsoft Patchday Juli 2026 ist nicht allein wegen seiner Größe relevant. Die entscheidende Besonderheit liegt in der Kombination aus einer stark revidierten CVE-Zahl, mehreren aktiv ausgenutzten Schwachstellen und der Konzentration auf zentrale Unternehmensdienste.
Die höchste Dringlichkeit besteht bei lokalen SharePoint-Servern. CVE-2026-56164 und CVE-2026-58644 werden durch Microsoft und CISA als aktiv ausgenutzt geführt. Für CVE-2026-50522 bestätigt CISA die Ausnutzung, während Microsoft sie derzeit noch nicht bestätigt. Internetexponierte oder erst verspätet aktualisierte Farmen erfordern deshalb neben dem Patch eine strukturierte Kompromittierungsprüfung.
AD FS folgt unmittelbar danach. Die aktiv ausgenutzte CVE-2026-56155 betrifft zwar einen lokalen Angriffsvektor, liegt aber innerhalb einer besonders sensiblen Vertrauens- und Identitätskomponente. Die Installation des Windows-Updates ist nur der erste Schritt; DKM-ACL, Ereignisprotokolle und die für Oktober angekündigte Enforcement-Phase müssen aktiv bearbeitet werden.
Domänencontroller, AD CS, DHCP, WSUS, RDS, Hyper-V, Exchange und SQL Server bilden die nächste Prioritätsstufe. Für diese Systeme sollten HA- und Clusterverfahren genutzt werden, ohne die Updates bis zum regulären Monatsende aufzuschieben. Besonders die RDP-RCE CVE-2026-56190 und die zahlreichen DHCP-, Hyper-V- und Infrastrukturfehler rechtfertigen einen beschleunigten Rollout.
Für Client- und Office-Systeme bleibt ein gestufter Deployment-Prozess angemessen. Administrative Endpunkte, RDS-Hosts und Systeme mit erhöhten Rechten müssen jedoch vor normalen Benutzerendgeräten aktualisiert werden, weil zahlreiche Office-Lücken bereits über das Vorschaufenster erreichbar sind.
Die abschließende Bewertung lautet daher: SharePoint als mögliche Incident-Response-Lage behandeln, AD FS und zentrale Infrastruktur sofort nachziehen und den restlichen Juli-Rollout anhand tatsächlicher Exposition und Geschäftsrolle statt ausschließlich anhand des CVSS-Werts priorisieren.
ServicePlus Patchmanagement für Endpoints und Server unterstützt bei der strukturierten Bewertung, kontrollierten Verteilung und technischen Nachkontrolle von Sicherheitsupdates in Microsoft-Umgebungen.
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